(L.E.) - Zurzeit tourt der Musiker Serge Tonnar mit seiner Band Legotrip im Rahmen der „Bopebistro“-Tour durch das Großherzogtum. Doch was macht den Charme eines richtigen „Bopebistro“ eigentlich aus? Dieser Frage gehen das Luxemburger Wort und mywort.lu nach. Im zweiten Teil unserer Serie waren wir im „Café Beim Renert“ auf dem hauptstädtischen „Knuedler“.
Es ist Montagmorgen gegen 10 Uhr. Die Stadt Luxemburg ist bereits erwacht und auf der Place Guillaume II – dem „Knuedler“ – verirren sich erste Touristen. Mit dem Fotoapparat in der Hand trotten sie am Renert-Denkmal vorbei. Im Kontrast dazu eilen zielstrebige Männer im Nadelstreifenanzug und dem Aktenkoffer in der Hand über den Platz.
Gegenüber dem Rathaus befindet sich das „Café Beim Renert“. Wie das Tor zu einer anderen Welt, öffnet sich die Bistro-Tür. Zigarettenrauch liegt nebelschleierartig in der Luft. Als sei die Zeit stehen geblieben, weilen zwei Männer bei ihren Kaffeetassen, ein älterer Herr sitzt alleine in der Ecke und liest Zeitung. Hinter dem Tresen: eine Frau reiferen Alters im roten Pulli – Jasmine.
„Eigentlich heiße ich ja Josiane, Josiane Kops“, sagt die energische, aber sympathische Wirtsfrau auf Nachfrage hin. „Meine Eltern wollten mich damals schon Jasmine nennen, doch als ich geboren wurde, ließ das Einwohnermeldeamt diesen Namen nicht zu. Das waren noch andere Zeiten. Ich wurde trotzdem immer Jasmine genannt. Die meisten Kunden und Freunde wissen gar nicht, dass auf meinem Personalausweis Josiane steht.“
Mit Konventionen war das bei Jasmine schon immer so eine Sache. Ob Wirtsfrau stets ihr Traumberuf gewesen sei, wollen wir wissen. „Eigentlich wollte ich Briefträgerin werden. Doch Frauen durften das damals nicht.“ Jasmine lächelt verschmitzt. „Aber Wirtsfrau kam gleich an zweiter Stelle. Schon als Kind habe ich immer meine Puppen bewirtet.“
Dass Jasmine mit Leib und Seele bei der Sache ist, das zeigen auch die Dekorationsobjekte in ihrer Wirtsstube. Über dem Tresen thront das Modell einer alten Pferdekutsche. So eine wie früher die Bierlieferanten sie nutzten, um als sogenannte „Rollefaxen“ die Bistros zu beliefern. Auf dem Kutscherbock sitzt eine blonde Frau. „Das bin ich!“, gluckst Jasmine stolz. „Ein Stammkunde, ein älterer Herr, der mittlerweile verstorben ist, hat das selbst gebastelt.“
Seit 1990 arbeitet Jasmine „Beim Renert“. 1997 hat sie das Lokal übernommen. Die Kundschaft ist stets treu geblieben. Vor allem ältere Menschen, aber auch Touristen und gelegentlich Kommunal-politiker gehören zum Kundenkreis.
„Et ass awer ee Bopebistro“, sagt Jasmine stolz, als ob dieser Titel eine offizielle Auszeichnung sei.
Text, Video, Fotos: Luc Ewen
Den Artikel mit weiteren Fotos von Marc Wilwert, finden Sie im Luxemburger Wort vom 17. März 2012.