Georg Meißner berät seit diesem Jahr die Bio-Winzer an der Luxemburger Mosel

Seit diesem Jahr haben auch die luxemburgischen Bio-Winzer einen Weinbauberater zur Seite. Der 36-jährige Georg Meißner übt seine 50-Prozent-Stelle in Luxemburg aus und ist zugleich auch Wissenschaftler an der Forschungsanstalt Geisenheim.

Durch die Forschung gewinnt der Deutsche viele Erkenntnisse, die für die Bio-Winzer zwischen Schengen und Wasserbillig auch wiederum von Bedeutung sind.

Georg Meißner ist viel unterwegs. Neben seiner Arbeit an der Forschungsanstalt Geisenheim (D) und in Luxemburg ist Meißner auch häufig in Frankreich oder Österreich präsent. Er untersucht unter anderem den Einfluss der verschiedenen Bewirtschaftungsformen im Weinbau, sprich konventionelle, biologisch-organische und biologisch-dynamische Wirtschaftsweise. „Mehrere Institute sind an diesem Thema beteiligt“, berichtet Meißner. Rund 40 Diplomarbeiten seien dazu in der Forschungsanstalt geschrieben worden.

Die Teilzeitstelle in Luxemburg lässt sich gut mit seiner Stelle in Geisenheim vereinbaren. Sehr gut sogar, betont er. „Es entstehen Synergien“, erklärt Meißner. Luxemburg spiele in dem Sinne eine wichtige Rolle, denn so sei er Praktiker und Forscher in einer Person. Diese Art der Arbeit käme den Beratungen in Luxemburg besonders zugute, weil er somit seinen globalen Blick schärfen könne.

Der Teilzeitjob beim „Institut fir biologësch Landwirtschaft an Agrarkultur Luxemburg“ (Ibla) bedeute nicht, dass sich Meißner jede Woche 20 Stunden im Großherzogtum aufhält. Auch die Forschungszeit zählt dazu, denn diese ist für Luxemburger Bio-Winzer schließlich auch von Bedeutung. Wie bei den Winzern hat er auch Phasen im Jahr, in denen sehr viel oder eben weniger Arbeit ansteht.

In Luxemburg existiere ein großes Interesse an Bioweinbau, sagt Meißner. „Vor einigen Jahren habe ich Seminare und Vorlesungen gehalten. Damals gab es in Luxemburg auch die Überlegung, einen Bioweinbauberater anzustellen. Eine solche Person hat in Luxemburg noch gefehlt, während diese in anderen Weinbauländern längst eingestellt sind.“

Zwischen Schengen und Wasserbillig unternimmt Meißner zusammen mit den sieben Bio-Winzern so genannte Begehungsrunden. Die Bio-Winzer versammeln sich zu einem vereinbarten Zeitpunkt bei einem der Kollegen und dann beginnen die gemeinsamen Runden in den Weinbergen bei den Winzern. Das bedeute nicht, dass der Berater vorgebe, was zu tun sei. „Wichtig ist der Austausch unter den Winzern.“ Georg Meißner geht davon aus, dass die Zahl der Bio-Winzer steigen wird, wie dies bereits in Frankreich und in Deutschland geschehen ist. „Bioweinbau ist kein Nischenprodukt, aber man muss auch bedenken, dass diese Winzer nicht mehr Geld für ihre Arbeit erhalten.“

Wichtig sei es im Job des Bioweinbauberaters unter anderem, durch gezielte Bodenbegrünungsmaßnahmen eine große Vielfalt in den Weinbergen zu erzielen. Man müsse sich vor Augen führen, dass der Boden die Pflanze ernährt und umgekehrt. So entstehen Synergien zwischen Pflanzen zu Pilzen oder zum Boden. Auch der Schutz vor Pilzkrankheiten mit biologischen Substanzen hat ein bedeutendes Gewicht. „Bestimmte Substanzen können im konventionellen Weinbau noch erfolgreich eingesetzt werden, während der Bio-Winzer dann nichts mehr ausrichten kann“, erläutert Meißner. Bio-Winzer müssen immer wach sein und ständig beobachten und die Zyklen genau kennen lernen.

Wie ist das mit den Pilzkrankheiten? Wann werden die Sporen aktiv bei welcher Temperatur? Bei einer gemeinsamen Beratung, wie diese in Luxemburg praktiziert wird, ist es einfacher, zusammen eine Strategie zu erstellen.

So weit der kleine Ausflug ins Bioweinbau-Abc. Während der jetzigen Lesezeit gibt es für Meißner genug Arbeit, aber auch im Winter hat er einiges mit den BioWinzern vor. So wird das durchaus schwierige Weinjahr 2012 aufgearbeitet und die Forschung bleibt auch nicht stillstehen.

Bio-Winzer Yves Sunnen aus Remerschen ist glücklich, dass er mit Georg Meißner einen Berater an seiner Seite hat und auch. dass das Weinbau-Institut mit Robert Mannes einen Experten in diesem Bereich angestellt hat. „Früher musste man selbst noch herausfinden, was das beste für die Reben und die Trauben ist. Jetzt nicht mehr“, sagt Sunnen. Auch noch acht Jahre nach der Umstellung auf Bio lerne er ständig dazu.

VON JEROEN VAN DER HOEF