Miteinander (Er)leben

Gemeinde Mertzig ist Luxemburgs Kandidat für den Europäischen Dorferneuerungspreis 2010

Bürgerbeteiligung und soziale Integration als Trümpfe / Jury zu Gast für Ortsbegehung

„Neue Energie für ein starkes Miteinander“: So lautet das Motto des diesjährigen Europäischen Dorferneuerungspreises, der seit 1990 im Zweijahresrhythmus von der europäischen Arbeitsgemeinschaft für Landentwicklung und Dorferneuerung in einem europaweiten Regionen-Wettstreit verliehen wird. Ein Motto, das auf die Gemeinde Mertzig geradezu maßgeschneidert passt, hat sie es in den vergangenen Jahren doch auf einzigartige Weise verstanden, Bevölkerungswachstum und soziale Integration zu einem starken Miteinander zusammenzufügen. Luxemburgs Kandidat hat demnach gute Karten – die Trümpfe legte man bei einer Ortsbegehung am Dienstag denn auch der Jury auf den Tisch.

Die Bewältigung des Spagats zwischen einem rasanten Bevölkerungszuwachs und der Wahrung des ländlichen Dorfcharakters samt des sozialen Zusammenhalts stand im Grunde am Anfang jener Projekte und Initiativen, die der Gemeinde Mertzig nun die Kandidatur für den Europäischen Dorferneuerungspreis eingebracht haben, wie Bürgermeister Claude Staudt erklärte.

Mertzig: attraktive Gemeinde der „kurzen Wege“

Aus der einst beschaulichen Landgemeinde im Warktal, die über Jahrhunderte hinweg vom traditionsreichen Gesteinsabbau geprägt war, habe sich insbesondere in den vergangenen beiden Jahrzehnten eine moderne und attraktive Wohn- und Arbeitsgemeinde am Rande der Nordstad entwickelt, die ein gut durchmischtes Ortsgefüge mit Läden, Schulen, Freizeitstrukturen und Naherholungsflächen aufweist und demnach nicht von ungefähr eine rapide Siedlungsentwicklung mit heute 1 740 Einwohnern gekannt habe.

Es sei den Gemeindeverantwortlichen denn auch rasch klar gewesen, dass man mit dieser Entwicklung nur Schritt halten könne, wenn es gelingen würde, einerseits einen nachhaltigen Kommunalentwicklungsplan zu erstellen, der auf einem bewussten Umgang mit den natürlichen Lebensräumen und Ressourcen basiert, und andererseits die Bürger aktiv am gesellschaftlichen Leben und den wichtigen Entscheidungsprozessen zu beteiligen, um die Identifikation der Einwohner mit ihrer Dorfgemeinschaft gezielt zu stärken, so Bürgermeister Staudt. Mit Hilfe des Planungsbüros CO3 und der aufopferungsvollen Mitarbeit von Arno Frising aus dem Agrarministerium habe man in den letzten Jahren denn auch bewusst in diese Richtung gearbeitet.

Als Elemente dieses integrativen Konzepts für ein „starkes Miteinader“ führte Staudt im Folgenden gleich mehrere Projekte an. So etwa die direkte Einbeziehung der Bürger bei Projektplanungen und -umsetzungen, etwa im Rahmen der „Mäerzeger Table ronde“, die im Herbst erneut zusammentreten wird, um ein kulturhistorisches Wanderwegenetz zu planen oder die Einrichtung des Spielplatzes „im langen Pesch“, an der sich die Bürger ebenfalls selbst beteiligten.

Neben der starken sozialen Integration dank des regen Mertziger Vereinslebens oder der lebendigen Partnerschaft mit der österreichischen Gemeinde Vöcklamarkt seien derzeit zudem die Schaffung von 30 „betreuten Wohneinheiten“ für pflegebedürftige Menschen „im Dëmpel“ und eines Wohnheims samt Werkstätten für behinderte Menschen beim Seniorenheim geplant, so Claude Staudt.

Von den zahlreichen Projekten konnten sich die Jurymitglieder anschließend in einem ansprechend gestalteten Präsentationsfilm von Roland Baumann, Marcel Heinen und Eugène Engel anhand eindrucksvoller Bilder überzeugen. Auch Agrarminister Romain Schneider zeigte sich von der „Energie für ein starkes Miteinander“ in Mertzig beeindruckt. Er hob vor allem das nachhaltige und vernetzte Arbeiten zwischen Bürgern und Gemeinde hervor und wünschte der Mertziger Kandidatur für Luxemburg viel Erfolg.(VON JOHN LAMBERTY)