Seit 1972 hat Ketty in ihrem Café das Sagen. Und mit 73 denkt sie noch lange nicht ans Aufhören: „Ich werde so lange hinter dem Tresen stehen, wie meine Beine mich tragen können“, meint die 73-Jährige mit einem schelmischen Lächeln.
Eine ernstere Miene setzt sie bei der Frage auf, was denn „danach“ passieren werde: „An und für sich könnte mir das ja egal sein“, meint die resolute Dame, „ein chinesisches Restaurant oder eine Pizzeria kommt mir allerdings hier nicht rein!“
Langsamer treten
Bewusst treten Ketty und ihr Ehemann René seit einigen Jahren kürzer: „Früher kredenzten wir noch ,Hameschmiren‘ – damit haben wir mittlerweile aber auch aufgehört“, erklärt René. Auch an den Öffnungszeiten hat sich so manches in letzter Zeit geändert: Samstags ist nun ganz geschlossen und donnerstags ist erst ab 18 Uhr geöffnet. „Einst war das undenkbar“, erzählt Ketty weiter. „Früher, als noch mehr Menschen den Gottesdienst besuchten, war unser Café nach der Messe zum Bersten voll. Das ganze Dorf traf sich in der Kneipe zum ,Apéritif‘, und es wurden eifrig die letzten Nachrichten ausgetauscht.“
Schenkt man Ketty Glauben, sind moderne Kommunikationshilfsmittel daran schuld, dass nur noch wenige junge Leute Cafés besuchen. „Die haben doch heute alle Handys, mit denen sie per SMS oder Facebook den letzten Tratsch austauschen“, sinniert sie, „miteinander reden ist heutzutage überflüssig geworden“.
Rauchen oder nicht rauchen: Das ist hier die Frage
Auch im Café Muller-Feyder ist die Rauchverbot-Frage ein heikles Thema. Unisono ist das Paar aber der Meinung, die Behörden sollten den Schankwirten die Entscheidung nicht überlassen. Es solle doch endlich Klarheit herrschen, meint Ketty. Vom ständigen Hin und Her und möglichen halb gegorenen Lösungen haben die beiden offensichtlich die Nase voll. „Lässt man uns die Wahl, werden wir wohl oder übel viele unserer Stammkunden vor den Kopf stoßen, egal in welche Richtung unsere Entscheidung gehen wird“, meint Ketty.
Rasch haben die beiden die Alltagssorgen wieder vergessen und erzählen von der „guten alten Zeit“, als nicht unbedingt alles besser war, aber eben anders. So erinnern sich beide gerne an die Fernseher-Anekdote: Kettys Vater – „stets ein sehr fortschrittlicher Mann“ so seine Tochter– besaß als einer der ersten in der Gemeinde, ein schwarz-weißes Fernsehgerät. War die Übertragung eines Fußballspiels angesagt, versammelten sich jedes Mal viele Menschen um die neue Errungenschaft. Schnell aber störten sich die Fern-Seher am Lärm der Billardkugeln. Nach kurzer Zeit stand fest: Der Billard-tisch musste der neuen Technik weichen – das Ende einer Ära.
Aber auch heute noch bleibt das Café Muller-Feyder in Nospelt eine heimelige Kneipe, in der man ungestört sein „Pättchen“ trinken kann, und alle Nospelter hoffen, dass es noch lange so bleiben wird.