30 Jahre Einsatz von Frauen für Frauen

30 Jahre Einsatz von Frauen für Frauen

Der Fonds Soroptimist feierte sein Jubiläum mit Ministerin Backes und Gästen aus der Ukraine

Luxemburg - Am Freitagabend wurde es still im Saal des Alvisse Parc Hotels, als Nataliya Podzorova und Olga Shpak das Wort ergriffen. Die beiden Ukrainerinnen aus der Stadt Lviv, rund 70 km von der polnischen Grenze entfernt, erzählten aus ihrem Alltag. Bomben, die einem Vater Frau und Töchter nehmen, wegen derer einem Mädchen die Beine amputiert werden müssen, die eine alte Frau in ihrer Wohnung in den Kältetod treiben. „Ihr habt so viel für uns getan“, sagt Nataliya Podzorova mit Blick auf die Finanzierung eines Zentrum für schwer verbrannte Kinder, eines Waisenhauses und vieler anderer Projekte, „Ich hoffe, dass ihr nicht das nächste Ziel seid.“

An diesem Abend wendet sie sich an rund 130 Frauen aus Luxemburg, die alle im Serviceclub Soroptimist Luxemburg engagiert sind, der sich für Frauen einsetzt. Die beiden Ukrainerinnen erhalten einen Scheck von 15.000 Euro. Olga Shpak hat bei der Überreichung Tränen in den Augen. „Das Leid hört nicht auf, es kommen immer neue Flüchtlinge. Wir können die Hilfe gut brauchen“, dankt sie ihren Clubschwestern in Luxemburg.

Soroptimist ist ein weltweit tätiger Verein, der Frauen auch über Grenzen hinweg vernetzt. In Luxemburg gibt es rund 300 Mitglieder, die in elf Clubs organisiert sind. Alle Clubs wiederum haben den Fonds vor 30 Jahren gegründet. „Denn als NGO kann er Spenden annehmen und Quittungen ausstellen, die von der Steuer absetzbar sind“, erklärt Fondspräsidentin Gaby Kunsch. Sie berichtet, dass der Fonds dank einer Erbschaft gerade eine dritte Wohnung gekauft hat, die zu einem günstigen Preis an Frauen mit Kindern vermietet wird. „Gerade diese Frauen haben es in Luxemburg besonders schwer“, weiß Gaby Kunsch.

Doch auch außerhalb der Grenzen Luxemburgs ist der Fonds seit vielen Jahren aktiv, unter anderem in Ruanda, Burundi und Togo. „Diese Projekte konnten und können wir dank der großzügigen Unterstützung des Außenministeriums durchführen“, betont die Fondspräsidentin. Auch Gleichstellungsministerin Yuriko Backes unterstützt die Soroptimist. Sie ist sogar Schirmherrin der Festveranstaltung und ergreift selbst das Wort. Backes betont, wie wichtig es ist, sich für Frauenrechte einzusetzen. Sie verweist auf Reisen in ihrer Rolle als Verteidigungsministerin in die Ukraine. „Dort sind Männer und Frauen an der Front gleich – und beide sind von Vergewaltigungen betroffen, die als Kriegswaffe eingesetzt werden“, berichtet Backes. Man merkt, wie sehr ihr sowohl Frauenrechte als auch die Ukraine am Herzen liegen.

Umso mehr freut sie sich mit den Gästen, dass die Einnahmen des Abends ebenfalls an die Ukraine gehen. Quellen gibt es einige: Neben dem Eintrittsgeld und einer Tombola wartet eine Modenschau auf die Gäste. Die Mannequins präsentieren eine speziell für die Soroptimistinnen gefertigte Kollektion: Bogère x Soroptimist. Sie umfasst Businessmode, Modelle für entspanntere Anlässe sowie prächtige Abendkleider. Entworfen hat sie Emilie Boland, Eigentümerin der Boutique „Bogère“ in der Stadt. „Die Kollektion kommt super an“, strahlt Boland. Sie macht mit, weil ihr Frauenrechte ebenfalls ein Anliegen sind und sie in ihrem Leben schon Solidarität anderer Frauen erfahren hat. Deshalb hat sie auch ihre Beziehungen spielen lassen. Die Models von LAFF (Luxembourg Art & Fashion Foundation; www.laff.lu) haben ausnahmsweise auf eine Gage verzichtet.

Noch vor dem Anschnitt des dreistöckigen Geburtstagskuchens ergreift dann doch ein Mann das Wort. „Wir sind heute nicht in der Überzahl“, lächelt Maurice Bauer. „Aber als Schöffe der Stadt Luxemburg möchte ich mich bedanken für die Unterstützung, die die Soroptimist für Frauen im Foyer "Maison de la Porte ouverte" geleistet haben. Das war für diese schon etwas, was ihnen einen besonderen Moment ermöglicht hat.“

Die Unternehmerin Christine Hansen, die den Abend gekonnt moderiert, fasst die gute Stimmung kurz vor Mitternacht zusammen: „Viele Frauen sind Soroptimist. Sie wissen es nur noch nicht. Aber wer dazu gehört, hatte heute einen tollen Abend.“


Fotos: Frei nutzbar unter Angabe der Fotografin Veronika Domp