„Fiederwäissen“ wieder im Handel

So früh wie in diesem Jahr hat der Handel den „Fiederwäissen“ schon lange nicht mehr angeboten. Ab dem 21. September gibt es den Most in Supermärkten, in der Gastronomie, an Tankstellen und selbstverständlich direkt bei den Weinproduzenten an der Luxemburger Mosel. Das erste Produkt des jüngsten Jahrgangs gilt in einigen Kreisen sogar als Event mit Tradition.

Normalerweise kommt der Most Anfang Oktober in den Handel, doch anno 2011 gibt es ihn bereits ab dem 21. September, also ab heute. Aber auch diesmal lagen zwischen dem offiziellen Start der Traubenlese und dem ersten Verkauf knapp anderthalb Wochen. Die frühe Entwicklung der Vegetation in diesem Jahr durch den warmen und trockenen April sorgte für einen Vorsprung, der bis zum heutigen Tag gehalten werden konnte. Das Datum des Verkaufsstarts wird vom Weinbaufonds festgelegt, um die Wettbewerbsfreiheit zu gewährleisten, so dass sich kein einziger Winzerbetrieb Vorteile verschaffen kann.

Der Federweiße kann nach den Worten von Bernd Karl, dem technischen Direktor bei der Winzergenossenschaft „Domaines Vinsmoselle“, als fruchtig und aromatisch beschrieben werden. „Die Säure ist harmonisch, die Zuckerwerte sind hoch und das Aroma ist sehr ausgeprägt“, unterstreicht er. Die kühlen Nächte, wovon die Luxemburger Winzer im September profitiert haben, und das (mit kleinen Abstrichen) angenehme Wetter am Tag um die 20 Grad mit sonnigen Abschnitten seien optimal. „In diesem Jahr kann man alle Trauben gut essen“, sagt Karl.

In der Regel wird der Most etwa zwei Wochen angeboten

Für ihn ist der Verkauf von „Fiederwäissen“ jedes Jahr aufs Neue ein Event. „Da laufen auch die Gespräche über den jüngsten Jahrgang, jeder bildet sich seine eigene Meinung“, erklärt Karl. Besonders zu Beginn der Verkaufsperiode sowie an oder kurz vor den Wochenenden ist der Most heiß begehrt. Auch in verschiedenen Dörfern im Osten des Landes werden Feste dem „Fiederwäissen“ gewidmet. In der Regel wird er etwa zwei Wochen angeboten, doch auch vier Wochen oder noch etwas länger ist möglich. „Dies regelt aber der Markt“, erläutert Karl. Wenn die Nachfrage sänke, dann werde auch die Produktion angepasst.

Wenn der Konsument vom Federweißen probiert, liegt das Alkoholvolumen bei rund neun Prozent. Die Gärung ist dann etwa zu zwei Dritteln vollzogen. „Man vermutet jedoch die Menge an Alkohol nicht, dabei liegt der Gehalt um das Doppelte im Vergleich zu Bier“, betont Karl. Ganz gut zum Federweißen passen Zwiebelkuchen, Quiche oder Nüsse.

Der Most soll möglich frisch konsumiert werden. „Man soll ihn nicht zu lange aufbewahren. Bei Wein ist es wieder anders“, sagt Karl. Dabei soll der Kanister, beziehungsweise die Flasche kühl gelagert werden.

„Einige Pinot-Sorten sind noch weiter als der Rivaner“

Währenddessen läuft die Traubenlese weiter auf Hochtouren. Außer Riesling, dessen Trauben generell zum Schluss gelesen werden, kommen die anderen Sorten schon unter Dach. „Einige Pinot-Sorten sind noch weiter als der Rivaner“, sagt Karl. Er erwartet eine kurze Ernte, doch definitiven Aufschluss geben die Wetterprognosen. „Im Internet wird in dieser Zeit besonders viel nachgeschaut“, sagt der technische Direktor. Auch Karl informiert sich ständig online. Nach etwas Regen zu Beginn der Woche soll es bis zum Wochenende trocken bleiben. Die Trauben sollen so lange wie möglich hängen gelassen werden, aber Karl erwartet dennoch, dass Anfang Oktober die Hauptlese als beendet betrachtet werden kann. (VON JEROEN VAN DER HOEF)