Märtyrer verbinden Estland und Luxemburg

Das Bistum Tallinn in Estland organisierte am Vorabend des ersten Gedenktages des Seligen Bischofs Profittlich, dem 22. Februar, ein zweitätiges Internationales Symposium zu seinem Andenken. Dabei spielten auch Luxemburger Jesuiten eine wichtige Rolle.

Am 20. und 21. Februar versammelten sich im Theatrum neben der katholischen Kathedrale in Tallinn internationale Vertreter aus Kirche, Diplomatie und Gesellschaft, um an den seligen Bekennerbischof Eduard Profittlich aus der Eifel zu erinnern. Das Symposium blickte nicht nur zurück, sondern fragte nach der Aktualität seines Zeugnisses in einer Welt voller Spannungen. Zu den Teilnehmern gehörten unter anderem Erzbischof Paul Richard Gallagher, Sekretär für die Beziehungen des Heiligen Stuhls zu den Staaten, sowie der Apostolische Nuntius für die baltischen Staaten, Erzbischof Georg Gänswein. Sie zeichneten Profittlich als eine Persönlichkeit, in der sich Diplomatie und Heiligkeit, pastorale Hingabe und der kompromisslose Einsatz für Wahrheit und Menschenwürde verbanden. Mit seiner Seligsprechung am 6. September 2025 in Tallinn wurde offiziell anerkannt, was sein Leben bezeugte: Treue zu Gott und Standhaftigkeit gegen Unterdrückung.

Im Zentrum des Symposiums stand das christliche Martyrium. Dr. Thorsten Hoffmann vom Trierer Generalvikariat eröffnete seinen Vortrag mit der These, „die Märtyrer sind zurückgekehrt“. Schon in der Urkirche galt das Blut der Märtyrer als Same der Kirche. Eine klare kirchenrechtliche Definition formulierte erst Benedict XIV im 18. Jahrhundert: Martyrium setzt einen gewaltsamen Tod voraus, verursacht aus Hass auf den Glauben (odium fidei), den der Gläubige bewusst und in Treue zu Christus annimmt. Diese Kriterien prägen bis heute Selig- und Heiligsprechungsverfahren.

Drei Millionen Christen fielen allein im 20. Jahrhundert Verfolgung und Gewalt zum Opfer – die meisten im Osmanischen Reich 1915 aber auch unter nationalsozialistischen und kommunistischen Regimen. Das Zweite Vatikanische Konzil vertiefte das Verständnis des Martyriums als radikale Christusnachfolge: Der Märtyrer wird Christus gleichförmig im Bekenntnis, im Leiden und im Tod. Martyrium ist kein Relikt vergangener Zeiten, sondern die äußerste Verdichtung christlichen Zeugnisses – ein öffentliches Bekenntnis zu Christus, getragen von Liebe, Hoffnung und Treue, stärker als der Tod.

Märtyrer Profittlich wurde von einem Luxemburger Jesuiten am meisten geprägt

Der polnische Jesuit Dr. Krzysztof Homa SJ. aus Krakau bezeichnete den Luxemburger Jesuiten Bernard Arens (1873-1954) aus Hosingen, der die Zeitschrift „Katholische Missionen“ herausgab, als den wichtigsten Lehrer des Seligen Eduard Profittlich während seinen Studien in Valkenburg in Holland. Arens verstand Mission nicht als Rückzug ins Kirchliche, sondern als Hineinwirken in Gesellschaft, Kultur und öffentlichem Leben. Profittlich hatte dasselbe Missionsverständnis.

Der 22. Februar gilt als der Märtyrertag in der estnischen kath. Kirche, weil an diesem Tag 1942 Märtyrerbischof Profittlich in einem sowjetischen Gefängnis in Kirow verhungert ist. 19 Jahre später starb am selben Tag sein Generalvikar, der Luxemburger Jesuit Henri Werling (1879-1961) SJ in Tallinn in Sowjet-Estland. Er war 1945 von den Sowjets zusammen mit 20.000 Esten ebenfalls in den Ural in ein Gulag-Lager deportiert worden. Er überlebte die strenge Lagerhaft und durfte nach neun Jahren nach Estland zurückkehren, wo er am 22. Februar 1961 an den Folgen seiner Lagerhaft verstorben ist.

Bodo Bost