Grundschule Harel geht neue Wege im Schwimmunterricht
Harlingen: Während immer mehr Kinder Schwierigkeiten haben, sicher schwimmen zu lernen, geht die Grundschule Harlingen im Ösling einen bemerkenswerten Weg: Hier erwerben Schülerinnen und Schüler nicht nur Schwimmfertigkeiten, sondern lernen bereits in jungen Jahren, wie man in Notsituationen richtig handelt und Leben retten kann.
Ertrinken zählt zu den tragischsten und zugleich häufig unterschätzten Unfallursachen. Besonders alarmierend ist, dass Ertrinken bei Kindern im Alter von fünf bis 14 Jahren zu den häufigsten unfallbedingten Todesursachen gehört. Fachleute sind sich einig: Viele dieser Unglücke könnten durch eine frühzeitige Schwimm- und Sicherheitsausbildung verhindert werden.
Auf diese Entwicklung macht die Ligue des Associations Sportives de l’Enseignement Fondamental (LASEP) seit Jahren aufmerksam. Sie unterstreicht regelmäßig die Bedeutung von Prävention und Wasserkompetenz – Themen, die auch in den aktuellen Lehrplänen einen wichtigen Stellenwert einnehmen.
Die Grundschule Harlingen hat diesen Auftrag konsequent aufgegriffen. Unter der Leitung des Schwimmlehrers Carlo Bintener und der Schwimmlehrerin Luisa Dahner sowie in enger Zusammenarbeit mit den zuständigen Lehrpersonen wurde das bestehende Schwimmangebot gezielt erweitert. Neben dem sicheren Schwimmenlernen steht dabei auch die realistische Einschätzung der eigenen Fähigkeiten im Mittelpunkt. Denn viele Unfälle im Wasser entstehen durch Selbstüberschätzung.
Als besondere Anerkennung und zusätzlichen Anreiz erhielten die besten Schwimmerinnen und Schwimmer aus sieben C4-Klassen die Möglichkeit, an einem speziellen Rettungsschwimmprogramm teilzunehmen. In theoretischen Kursen und praktischen Übungen lernten sie wichtige Bade- und Sicherheitsregeln kennen, Gefahren richtig einzuschätzen und sich in Notsituationen selbst zu retten. Auf dem Programm standen unter anderem Schweben im Wasser, die stabile Rückenlage sowie das sogenannte „Kleiderschwimmen“.
Darüber hinaus wurden die Kinder an die Grundlagen der Fremdrettung herangeführt. Sie übten, wie man vom Beckenrand aus Hilfe leisten und einfache Rettungsmittel wie Bälle, Poolnudeln oder andere schwimmfähige Gegenstände einsetzen kann. Auch das Abschleppen einer bewusstlosen Person gehörte zu den praktischen Übungen. Besonderes Augenmerk lag dabei stets auf der eigenen Sicherheit, denn nur wer sich selbst nicht in Gefahr bringt, kann anderen wirksam helfen.
Ergänzt wurde die Ausbildung durch das korrekte Absetzen eines Notrufs sowie altersgerechte Grundlagen der Ersten Hilfe.
Der Höhepunkt des Projekts folgte vor Kurzem: 18 Schülerinnen und Schüler stellten sich einem anspruchsvollen theoretischen und praktischen Abschlusstest. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer bestanden die Prüfung mit Bravour. Damit verfügen sie nun über Kenntnisse und Fähigkeiten, die weit über das reine Schwimmen hinausgehen und die es ihnen ermöglichen, in Gefahrensituationen besonnen und verantwortungsvoll zu handeln.
Mit diesem Projekt leistet die Grundschule Harlingen einen wertvollen Beitrag zur Unfallprävention und zur Sicherheit im Wasser. Gleichzeitig zeigt die Initiative eindrucksvoll, was durch eine langfristige und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Schule, Schwimmlehrpersonen, Gemeindeverantwortlichen und weiteren Partnern erreicht werden kann. Wenn jeder das einbringt, was er kann, und verantwortungsvoll das tut, was er tun soll, entstehen Projekte mit nachhaltiger Wirkung. Die 18 erfolgreichen Absolventinnen und Absolventen sind der beste Beweis dafür: Sie haben nicht nur schwimmen gelernt, sie haben gelernt, Verantwortung zu übernehmen und im Ernstfall vielleicht sogar Leben zu retten.