Bronzene Erinnerung als Appell an menschenrechtliche Verantwortung

Vor 40 Jahren wurde das Wercollier-Denkmal im ehemaligen KZ Hinzert eingeweiht: mehr als eine bildhauerische Brücke zum nationalen Erinnerungstag vom 11. Oktober 2026


Am 11. Oktober 1986 wurde im ehemaligen SS-Sonderlager/KZ Hinzert ein Mahnmal unseres genius loci Lucien Wercollier (1908-2002) enthüllt, das mehr ist als ein in Bronze und Granit gehülltes Gedenken an die vielen Märtyrer Luxemburgs, welche die NS-Hölle im Hunsrück durchliefen – von den rund 1560 Luxemburgern, die in dem “Haus-KZ von Gauleiter Simon” inhaftiert waren, fanden mindestens 85 den Tod -, sondern ein Schrei nach “Humanität, Frieden und Gerechtigkeit”, der angesichts der “gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit” (Wilhelm Heitmeyer), den anti-demokratischen Kräften in Europa und dem rezenten rechtsextremistischen Parlamentsvorsitz in Sachsen-Anhalt - mehr als 80 Jahre nachdem der NS-Politiker Hermann Göring als Vorsitzender des Reichstages den Parlamentarismus von innen aushöhlte - aktueller denn je ist.


Der Bildhauer Lucien Wercollier, der selbst in Hinzert inhaftiert war, hat in abstrahierender Gestalt drei Häftlinge, die ausgemagert über eine leere Schüssel gebeugt sind, dargestellt, um darin zu erinnern in welch menschenunwürdigen Bedingungen die Gefangenen leben mussten. Die Inschrift auf dem Granitsockel klingt wie ein dringender Appell an unsere Zeit: “in ardorem humanitatis, pacis et iustitiae” (durchdrungen von Menschlichkeit, Frieden und Gerechtigkeit).


Dass der nationale Erinnerungstag an die Schrecken der NS-Zeit genau am 40. Jahrestag der Enthüllung dieses sinnstiftenden Mahnmals von Lucien Wercollier stattfindet, ist mehr als eine erinnerungskulturelle Koinzidenz: ist der 11. Oktober 2026 doch ein weiteres Echo des so gewichtigen Wercollierschen Weckrufes nach “Menschlichkeit, Frieden und Gerechtigkeit”. Und weil auch am “Hinzerter Kräiz” auf dem Liebfrauenfriedhof mit dem Wercollier-Denkmal “Le prisonnier politique” am 11. Oktober 2026 anlässlich der “Journée de Commémoration nationale” Blumengebinde niedergelegt werden, kann eine symbolische Brücke zum Mahnmal im ehemaligen KZ Hinzert geschlagen werden. Die Gedenkstätte nahe Trier sollte deshalb jeder Luxemburger zumindest einmal in seinem Leben besucht haben.