Wenn “Ons Hémecht” zu Tränen rührt...
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Ergreifende Gedenkfeier im ehemaligen KZ Hinzert mit emotionaler Musik und verantwortungsbewussten MusikerInnen und ChorsängerInnen aus Luxemburg
Angesichts antidemokratischer Tendenzen in Europa, zunehmender “gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit” (Heitmeyer) und dem Siegeszug rechtsradikaler Parteien ist die Erinnerung an die Schrecken an die NS-Zeit sinnstiftender und gewichtiger denn je. Ein gutes Stück Erinnerungskultur findet jedes Jahr im ehemaligen SS-Sonderlager/KZ Hinzert nahe Trier am dritten Samstag im September statt. Am 19. September 2026 wurde im einstigen Lager, wo über 1500 Luxemburger inhaftiert waren und mindestens 83 Märtyrer aus der groβherzoglichen Heimat in den Tod getrieben wurden, insbesondere an die jugendlichen Häftlinge zwischen 14 und 20 Jahren – insgesamt 240 an der Zahl – erinnert.
Junge Musiker aus Luxemburg, die sich der gesamtgesellschaftlichen Verantwortung für das Nicht-Vergessen bewuβt sind, zeichneten für die musikalische Gestaltung der diesjährigen internationalen Gedenkfeier im Dokumentationszentrum der Gedenkstätte verantwortlich. Die Studentin Lucy Seywert spielte ein traditionelles Klezmer-Stück im Arrangement, das der 1936 geborene jüdische Klarinettist Giora Feidman stets zu spielen vermochte während Rachel Jeck (Querflöte) und Paul Kayser (Orgel) den dritten Satz aus der Sonate für Flöte und Klavier vom deutschböhmisch-jüdischen Komponisten Erwin Schulhoff (1894-1942) interpretierten. Lucy Seywert, Rachel Jeck und Olivier Paschoud (Cello) spielten zum Abschluss der offiziellen Feier im Beisein u.a. vom Vize-Präsident der Abgeordnetenkammer André Bauler und der luxemburgischen Botschafterin in Deutschland Sylvie Lucas die Ouvertüre “Zeitschaft” von Jakob Valder. “Das Wort Zeitschaft sollte es geben, um zu vermitteln, was ein Ort in der Zeit ist, zu einer gewissen Zeit, weder vorher noch nachher” : Die Holocaust-Überlebende Ruth Klüger (1931-2020) meinte damit Auschwitz. Mit dem Musikstück “Zeitschaft” begibt sich ein junger geschichtsinteressierter Musikstudent aus Köln auf Spurensuche nach Auschwitz und hüllt Ruth Klügers Wortkreation “Zeitschaft” in einen emotionalen Musikmantel. Das Originalstück, das zum 75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz von Jakob Valder im Rahmen eines Schulprojektes komponiert wurde, wurde speziell für die internationale Gedenkfeier im KZ Hinzert für Flöte, Klarinette und Cello arrangiert.
Eine weitere Erstaufführung war die sogenannte “Hinzert-Messe” mit Luxemburger Melodien, die von der Chorale Sainte-Cécile Fetschenhof-Cents mit Organist Paul Kayser und Cellist Olivier Paschoud während der von Generalvikar Patrick Muller zelebrierten “Luxemburger Messe” interpretiert wurden . Insbesondere “Ons Hémecht” wurde emotional ins Messordinarium hineinkomplimentiert, jene Melodie, welche die Widerstandskämpfer demonstrativ und lautstark im KZ Hinzert gesungen haben sollen. An den beiden Gedenksteinen im Wald für die 1942 und 1944 erschossenen 43 Luxemburger fand die internationale Gedenkfeier einen würdigen Abschluss und so manche Tränen flossen bei den rund 130 aus Luxemburg angereisten Teilnehmer beim Singen der Nationalhymne vor dem Massengrab der 1944 ermordeten Resistenzler. Ein Akt des Erinnerns und ein musikalischer Booster der Maxime, die das Wercollier-Denkmal in Hinzert ziert: “in ardorem humanitatis, pacis et iustitiae”!