VIANDENER GESCHICHTSFREUNDE ENTDECKEN BURG FALKENSTEIN
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VIANDENER GESCHICHTSFREUNDE ENTDECKEN BURG FALKENSTEIN
„Cette immense ruine dans cet immense entassement, ce donjon dans ce tas de collines, c’est mélancolique et sauvage » schreibt der französische Romantiker Victor Hugo in den ‚Carnets’, als er Falkenstein am 10. August 1871 besucht.
Gelegen inmitten von Wäldern, Bergen und Tälern, ist Burg Falkenstein, deren Mauern mehr als tausend Jahre der Zeit getrotzt haben, das diesjährige Ausflugsziel der Viandener Geschichtsfreunde.
Von Wallendorf aus, auf einem für den Verkehr geschlossenen Feldweg, geht es in weiten Serpentinen zur Ruine hinab.
Sieht man von Bivels aus, die Burg als Falkennest hoch über dem Wasser des Stausees thronen, so hat man vom Waldhof aus, einen unbeschreiblichen Blick auf die Burg unten im Ourtal.
Rechts, hinter dem normalerweise verschlossenen Burgtor, liegt der ausgetrocknete Schlossweiher und hinter dem Weiher hebt sich der Turm der Kapelle als Silhouette vom Himmel ab. Links darüber ragt drohend die Ruine des Burgfrieds gegen Himmel. Von hier aus mochte wohl einst der Wächter Ausschau gehalten haben, wenn Gegner das Falkennest stürmen wollten. Burg und Kapelle waren ursprünglich auf derselben Felsspitze erbaut. Ihr Entstehen reicht bis ins 13. Jh in die frühe Gotik zurück.
Die Schlosskapelle wurde von Boémond von Falkenstein erbaut und unter dem Titel Sti.Pauli apostoli 1342 geweiht. Eine 1534 vom Glockengieβer Dederich aus Vianden gegossene Glocke dieser Kapelle befindet sich heute in Schieren.
Ein Burggraben sichert die Burg zur Bergseite hin. Hinter dem Torbogen und dem Weiher, der von einer, einige hundert Meter entfert liegenden Quelle gespeist wurde, war der Gerichtsplatz, wie aus einer Urkunde von 1635 hervorgeht
Erwehrt sich Falkenstein normalerweise düster der Fremden, die vor dem verschlossenen Burgtor kehrtmachen und die Burg in ihrer mysteriösen Abgeschlossenheit von vergangener Glorie träumen lassen,
so erwartet heute der Burgherr Wolfgang Sartor die Geschichtsfreunde aus Vianden.
Geschichtlich Verbürgtes weiβ man von den Falkensteinern recht wenig.
In ihrem Wappen führten sie einen silbernen Falken auf grünem Hügel in rotem Feld. Wann die Burg erbaut wurde, lässt sich auch nicht feststellen. Sicher ist nur, dass schon 1236 die erste Familie der Falkensteiner erlischt. Die Burg kommt dann nacheinander an die Familien der Grandpré, de Marlières-Neufchâteau, de Brandenburg, von Blankenheim, von Vinstingen, von Virneburg, de Harcourt, de Salm, von Manderscheid-Blankenheim, von Everlingen und in der 1. Hälfte des 17. Jh an die Baronne de la Gardelle, deren Nachkommen heute noch in Bivels wohnen.
Als Ludwig XIV in den Niederlanden Krieg gegen die Koalitionsmächte führt, wird, wie viele andere luxemburgische Burgen, auch Schloss Falkenstein und das gegenüberliegende Schloss Stolzemburg von seinem berüchtigten Marschall de Boufflers zerstört. Nachdem 1815 auf dem Wiener Kongress die Our Grenzfluss wird, kommt Falkenstein an Deutschland.
Ein altes Volkslied heiβt: “Der Graf von Falkenstein hat all sein Geld verjuppt, juppt, juppt, dreitausend Taler in einer Nacht, husch, husch, husch“. Welcher Graf von Falkenstein damit gemeint ist, steht wiederum nicht fest. Fest steht nur, dass die de la Gardelle verarmen und 1892 die Ruinen und ihren sonstigen Besitz verkaufen. Ein gewisser Thomé ersteht die Burg zunächst. Dann der Rentner Ernst Schmitz, der sich mit dem, aus Vianden stammenden Staatsarchitekten Charles Arendt in Verbindung setzt, um die Burg nach alten Plänen wieder aufzubauen. Die Baupläne werden zu einem geringen Teil verwirklicht. Schmitz baut die Burgkapelle, so wie sie heute da steht wieder auf. Vor allem aber errichtet er an der Westmauer das stilgerechte und schlossähnliche Wohnhaus.
Der interessanteste Burgbesitzer ist aber zweifellos der Rechtsanwalt Stöck aus Trier gewesen, der das Schloss um 1925 kauft, um sich hier mit seiner Frau in die Einsamkeit zurückzuziehen um bis 1953 in seinem Adlerhorst als Philosoph zu leben. (Foto) Er lässt sich eine Gruft bauen. Unzählige Bänke hat der Advokat, der mehr als 80-jährig stirbt und neben seiner Frau in der Gruft liegt, auf dem Schlossgelände aufgestellt, wo er stundenlang sitzt und über das Tal hinblickt. Von Zeit zu Zeit kommt der Pfarrer aus Rodershausen herauf und liest die Messe in der Kapelle oder segnet die Gräber, in denen die de la Gardelle und ihre Vorgänger am Eingang zum Kirchlein ruhen.
In den 70er Jahren des 20. Jh gehört Falkenstein dem Industriellen H. Schippers aus Rheydt, der das Wohnhaus als Ferienwohnung benutzt.
Nach einer zwei-stündigen, fachmännischen Führung von Wolfgang Sartor, der von jedem Winkel seines Anwesens eine Auskunft geben konnte, geht es talabwärts zum Stausee, wo Gastwirt Raymond Lotzkes in seiner ‚Bivelser Millen‘ die Wanderer mit einem auf dem Holzfeuer gebratenen Hähnchen erwartet.
Gaby Heger