„Auf gute Nachbarschaft“

„Auf gute Nachbarschaft“

Wenn aus Nachbarn Vertraute werden

Canach. Man sucht sie sich nicht aus, und doch prägen sie unseren Alltag stärker, als wir oft wahrhaben wollen: die Nachbarn. Meist leise entscheidet sich zwischen Gartenzaun und Garagentor, ob ein Wohnviertel bloß eine Ansammlung von Häusern bleibt oder zu einem lebendigen Stück Heimat wird. Dass es dafür nicht viel braucht, zeigte sich einmal mehr beim diesjährigen „Nopeschfest hannert Weilend“ in der Rue des Jardins. Unter dem Motto „la fête des voisins“ wurde dort wieder gemeinsam gelacht, gegessen, angestoßen – und vor allem: zusammengefunden. Was einst als vorsichtiges Kennenlernen begann, hat sich längst zu einer liebgewonnenen Tradition entwickelt. Wo früher Zurückhaltung herrschte, ist heute Vertrautheit eingezogen: Man kennt sich, grüßt sich – und bleibt nicht selten für einen kurzen Plausch stehen.

Die Anonymität weicht einem Gefühl der Zugehörigkeit. Aus bloßen Hausnummern werden Gesichter und aus Fremden Menschen, mit denen man den Alltag teilt. Nachbarschaft wird greifbar – als gelebter Zusammenhalt, als gegenseitige Unterstützung, als kleine, aber bedeutsame Gemeinschaft. Das Erfolgsrezept ist ebenso einfach wie wirkungsvoll. „Jeder bringt etwas zu essen oder zu trinken mit“, erklärt Patrick Back. Und tatsächlich: Zwischen Salaten, Kuchen und kühlen Getränken entsteht eine ungezwungene Atmosphäre, in der Gespräche ganz von selbst ihren Lauf nehmen. „Das Ziel des Aktionstags ist es, die Nachbarschaft lebenswerter zu machen und den Zusammenhalt zu stärken – dank der tatkräftigen Mithilfe der Gemeinde“, ergänzt der Mitinitiator.

Gerade in einer Zeit, in der vieles schneller und anonymer geworden ist, gewinnt die Nachbarschaft wieder an Bedeutung. Sie kann Halt geben, Sicherheit vermitteln und im besten Fall sogar Freundschaften entstehen lassen. Besonders für ältere Menschen wird sie oft zu einem wichtigen sozialen Netzwerk. So bleibt am Ende mehr als nur die Erinnerung an einen gelungenen Abend. Es bleibt das Gefühl, Teil von etwas zu sein – einer Gemeinschaft, die trägt. Oder, einfacher ausgedrückt, einer guten Nachbarschaft.

Romain Welter via mywort